Mittwoch, 1. Juni 2011

Ankündigungen:

05.07.2011, 19:00
HS 7, Unicampus

Helmut Eschwege: Ein jüdischer Dissident und Historiker in der DDR

Vortrag mit Dr. Martin Jander

Helmut Eschwege, geboren am 10. Juli 1913 in Hannover, gestorben am 19. Oktober 1992 in Dresden, war ein jüdischer Dissident und Historiker in der DDR, dessen Lebensgeschichte und intellektuelles Lebenswerk bis heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Er wurde im Juli 1913 in Hannover geboren, er floh während der Nazizeit nach Palästina und kehrte nach dem Nationalsozialismus 1946 nach Deutschland, in die SBZ/DDR, zurück. Nach der heftigen antizionistisch/antisemitischen Kampagne der SED zu Beginn der 50er Jahre beschloss Eschwege Historiker zu werden. Er forschte und publizierte unter vielen Mühen zum Nationalsozialismus und zur Geschichte der Juden.
Viele seiner Forschungen konnten in der DDR nicht erscheinen. Kurz vor seinem Tod im Oktober 1992 gründete er die SDP in Dresden mit. Eschwege wurde erpresst, Berichte für das MfS zu schreiben. Hätte er es nicht getan, hätte man ihn nicht nach Israel reisen lassen. Er wurde zugleich, als Freund Israels und bekennendes Mitglied der jüdischen Gemeinde, verfolgt. Seine erpresste Mitarbeit für das MfS, seine Verfolgung in der DDR und seine Publikationen wie ungedruckten Forschungen sind Ausdruck eines heftigen Kampfes, den Eschwege mit dem herrschenden Machtkartell in der DDR führte. Dieser Kampf Eschweges richtete sich gegen Antizionismus und Antisemitismus in Partei und Gesellschaft der DDR.

Dr. Martin Jander, geboren am 21.1.1955 in Freiburg, Historiker, Dozent und Journalist, unterrichtet Deutsche und Europäische Geschichte an der New York University (Berlin), der Stanford University (Berlin) und forscht in einem Projekt des Hamburger Instituts für Sozialforschung zur Geschichte linksterroristischer Gruppen (Rote Armee Fraktion, Bewegung 2. Juni, Revolutionäre Zellen) in der Bundesrepublik Deutschland.


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Mittwoch, 15.06.2011, 19:00 Uhr
SR 385, Unicampus


Film: "Zwischen allen Stühlen" (Biografie Karl Pfeifers)


Mit Karl Pfeifer


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Dienstag, 14. Juni 2011, 19:00 Uhr
HS 7, Universitätscampus
 
Ungarn auf dem Weg zur Autokratie?

Vortrag von Karl Pfeifer



Seit mehr als einem Jahr regiert in Ungarn eine Koalition aus dem nationalistischen und zum Teil völkischen „Ungarischen Bürgerbund (Fidesz) und der klerikalen „Christlich- Demokratischen Volkspartei“ (KDNP). Die Koalition, die über eine 2/3 Mehrheit im Parlament verfügt, hat im April 2011 die Verfassung geändert. In den Medien wird nicht nur über das neue skandalöse Medienrecht berichtet, sondern auch über die national-sozialistische „Bewegung für ein (besseres) rechteres Ungarn“ (Jobbik) und dem Unwesen der mit ihr verbundenen paramilitärischen Garden, das von der Regierung geduldet wird.
Wie konnte es soweit kommen? Was ändert sich in Ungarn? Wie gelangte Antisemitismus und Antiziganismus in regierungsnahe Medien? Welche Kräfte leisten Widerstand?

Karl Pfeifer lebt als Journalist und Autor in Wien, seine Beiträge erscheinen unter anderem in der Budapester Wochenzeitung Hetek, der Berliner Jungle World, der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung und einer Reihe anderer Medien.


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Donnerstag, 09. Juni 2011, 19:00 Uhr
SR 113, Universitätscampus

Die antisemitische Welle in der DDR 1952/53

Vortrag von Thomas Haury  
1952/53 floh über ein Viertel der in der DDR lebenden Juden nach West-Berlin. Auslöser dieser Massenflucht von Holocaustüberlebenden war die von einer wochenlangen „antizionistischen“ Propagandakampagne begleitete Verfolgung von „Zionisten“ in allen kommunistischen Staaten:
  • Im November 1952 waren in Prag in einem Schauprozess elf Todesurteile gegen hochrangige Funktionäre der Kommunistischen Partei wegen „zionistisch-imperialistischer Verschwörung“ verhängt worden; fast alle Hingerichtete waren jüdischer Herkunft.
  • Im Januar 1953 wurden in Moskau jüdische Kreml-Ärzte bezichtigt, ein Mordkomplott gegen die höchste Führung der KPdSU geplant zu haben; ihnen drohte ebenfalls der Tod.
  • Und auch das Zentralkomitee der SED denunzierte im „Neuen Deutschland“ hohe SED-Funktionäre als “zionistische Agenten”, die im Auftrag “jüdischer Kapitalisten” die “Aus­plün­derung des deut­schen Vol­kes” betrieben hätten. Die jüdischen Gemeindevorsteher wurden von der Staatssicherheit verhört, Listen aller Gemeindemitglieder verlangt und alle Genossen jüdischer Abstammung überprüft. Nur Stalins Tod im März 1953 verhinderte einen antizionistischen Schauprozess in der DDR.

Wie konnte es nur sieben Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus ­in der DDR hierzu kommen, in einem sozialistischen Staat, dessen Selbstlegitimation doch gerade auf dem Antifaschismus beruhte?

Die Analyse zeigt: Schon seit 1948 betrieb die SED eine sich überschlagende „anti-imperialistische“ Propaganda gegen die „Raub­tiere ­der Wall­street“ und die „Internationale der Bankiers“. Sie ­malte die ­„Zerset­zung der deut­schen Kultur“ durch den ­„wurzellosen Kosmopolitismus“ an die Wand und rief „alle gesunden deut­schen Volks­kräfte“ zum Kampf für Befreiung der ­Nation von der „Dollarzins­knechtschaft“ auf.

Der Weg von derlei „linkem“ Deutschnationalismus und Verschwörungs­theorie ­zu einem antisemitischen Antizionismus war nicht weit. Zumal auch in der SED ­das „deut­sche“
Bedürfnis virulent war, die „deutsche Nation“ von Auschwitz zu entlasten.

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Dr. Thomas Haury, Soziologe und Historiker, Freiburg. Veröffentlichungen (Auswahl):

Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, Hamburg 2002
 

„Das ist Völkermord!“ Das antifaschistische Deutschland im Kampf gegen den „imperialistischen Brückenkopf Israel“ und gegen die deutsche Vergangenheit. In: Brosch,
Matthias u. a. (Hg.): Exklusive Solidarität. Linker Antisemitismus in Deutschland, Berlin 2007
 

Zur Judenfrage (1843/44): Bruno Bauer und Karl Marx. In: Berg, Nicolas (Hg.): Kapitalismus-Debatten um 1900. Über antisemitische Semantiken des Jüdischen, Leipzig 2011

"... ziehen die Fäden im Hintergrund". No-Globals, Antisemitismus und Antiamerikanismus. In: Loewy, Hanno (Hg.): Gerüchte über die Juden. Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien, Essen 2005
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1 Kommentar:

  1. Jüdische Tradition

    Schüler: Was bedeutet ez pri ose pri?

    Rabbi: Baum, der Frucht ist und Frucht macht.

    Schüler: Warum sagen dann alle „Baum des Lebens“ dazu?

    Rabbi: Wäre ich ein Rabbi, wenn ich das wüsste?

    Schüler: Entschuldigung!

    Rabbi: Akzeptiert.

    Schüler: Und was bedeutet ez ose pri?

    Rabbi: Muss ich dir alles vorsagen? Finde es selbst heraus!

    Schüler: Baum, der Frucht macht?

    Rabbi: Möglicherweise.

    Schüler: Dann ist das also der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“?

    Rabbi: Wäre ich ein Rabbi, wenn ich das bestätigen würde?

    Schüler: Nein, Rabbi. Aber wenn Du es bestätigt hättest, wäre es dann nicht logisch, dass die „Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ das ist, was J. M. Keynes 1935 „reward for liquidity renunciation“ nannte?

    Rabbi: Soll ich Fremdsprachen lernen, nur um deine Vermutungen zu bestätigen?

    Schüler: Auf gut Deutsch: „Urzins“, S. Gesell, 1916.

    Rabbi: Willst du damit andeuten, der Allerhöchste habe dem auserwählten Volk seine wohlverdiente Belohnung für Konsumverzicht verboten?

    Schüler: Natürlich nicht. Ich muss mich wohl geirrt haben.

    Rabbi: Noch so ein Irrtum, und du kannst in die nächste Koranschule wechseln!

    Schüler: Aber wenn das kein Irrtum wäre, bräuchten wir uns mit unseren Nachbarn nicht mehr zu streiten.

    Rabbi: Wer ist reich und wer ist arm?

    Schüler: Wir sind reich.

    Rabbi: Richtig. Das auserwählte Volk ist reich. Und jetzt benimm dich auch so!

    Schüler: Ich werde mich bessern, Rabbi.

    …so it´s on and on and on - it´s Heaven and Hell:
    http://www.deweles.de/willkommen/himmel-und-hoelle.html

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